Der Rehbein-Schüler Ahmed Burnić nahm sehr erfolgreich am Erfinderlabor des Zentrums für Chemie an der Uni Marburg teil und erforschte Viren, die gezielt Bakterien ausschalten können. Foto: Privat
Hanau. Können Viren gegen schädliche Bakterien helfen? Mit dieser und ähnlichen Fragestellungen beschäftigten sich hessische Spitzen-Talente eine Woche lang an der Philipps-Universität Marburg. Dort fand nun das 41. Erfinderlabor des Zentrums für Chemie (ZFC) statt. Unter den 16 ausgewählten Oberstufenschülerinnen und -schülern, die sich in einem anspruchsvollen Verfahren gegen insgesamt 196 Mitbewerber aus 115 hessischen Schulen durchsetzen konnten, befand sich auch Ahmed Burnić von der Karl-Rehbein-Schule (KRS) aus Hanau. Die Jugendlichen widmeten ihre Woche intensiv der Forschung im Bereich der Biotechnologie und Arzneimittelentwicklung. Das Programm richtete sich hierbei speziell an herausragende Schülerinnen und Schüler der aktuellen Q3 der Oberstufe.
Die Woche in Marburg war dicht getaktet und bot den Nachwuchsforschern Einblicke, die weit über den normalen Schulunterricht hinausgehen. Anstatt auf vereinfachte Schulversuche zurückzugreifen, erwartete die Teilnehmer professionelle Labortechnik – von der Arbeit unter Schutzgas und Massenspektrometrie bis hin zu komplexen Zellkultur- und Fluoreszenzverfahren. Begleitet von wissenschaftlichen Mitarbeitenden führten sie anspruchsvolle Experimente durch und erhielten so einen kleinen Einblick in die moderne Life-Science-Forschung.
Ahmed Burnić forschte gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe an sogenannten Bakteriophagen. Dabei handelt es sich um spezielle Viren, die gezielt Bakterien befallen. „Es ist sehr beeindruckend, wie viele Vorteile Phagen gegenüber Antibiotika besitzen. In Zukunft könnten Phagen als neue Behandlungsmöglichkeit eingesetzt werden, wobei sich bestimmte Nachteile von Antibiotika vermeiden lassen.“, erklärte Ahmed nach dem Forschungsprojekt.
Besonders die praktische Arbeit im Team und die seltene Möglichkeit, theoretisches Wissen unmittelbar anzuwenden, stellten für den Hanauer Schüler den persönlichen Höhepunkt der Projektwoche dar. Da er sich bereits im Schulalltag stark für das Fach Chemie interessiert und auch den entsprechenden Leistungskurs belegt, zeigten ihm die Praxistage in Marburg eindrucksvoll, wie vielfältig die beruflichen Perspektiven in den Naturwissenschaften sind und welche Türen sich für seine künftige Laufbahn öffnen könnten.
Neben der intensiven Laborarbeit legte das Zentrum für Chemie großen Wert auf die Verknüpfung von akademischer Forschung und praktischer Berufsorientierung. Bereits am ersten Tag der Woche erhielten die Jugendlichen bei einer Werksführung am Aenova-Standort in Marburg exklusive Einblicke in die industrielle Arzneimittelherstellung und lernten Tätigkeitsfelder der pharmazeutischen Industrie kennen. Zudem erläuterte Professor Dr. Helge Bode, Direktor am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie, den Jugendlichen anschaulich akademische Karrierewege und wissenschaftliche Arbeitsweisen.
Staatsminister für Kultus, Bildung und Chancen, Armin Schwarz, betonte später bei der Abschlusspräsentation die Bedeutung dieser gezielten Förderung und lobte die 16 Teilnehmenden als die vielversprechende nächste Generation des Wissenschafts- und Forschungsstandortes Hessen: „Wir haben junge Leute, die können was, die wollen was, die bringen uns nach vorne.“
Fulminante Abschlusspräsentation in der Alten Aula
Ihren festlichen Höhepunkt fand die Forschungswoche in der altehrwürdigen Aula der Philipps-Universität Marburg. Vor 170 geladenen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Schule und Wirtschaft präsentierten die acht Schülerinnen und acht Schüler ihre gesammelten Forschungsergebnisse. Die hochkarätig besetzte Veranstaltung war zugleich Teil der offiziellen Festivitäten im Rahmen von „80 Jahre Hessen“. Für Ahmed Burnić war dieser Tag ein ganz besonderer, denn er stand auf der großen Bühne nicht allein da: Zur Unterstützung von Ahmed war eigens der aktuelle Chemie-Leistungskurs der Q1 mit dem Kursleiter Christoffer Beermann und der Leiterin des Fachbereichs III, Nicol Zahn, aus Hanau angereist, um der Abschlusspräsentation beizuwohnen. Gemeinsam mit den Ehrengästen verfolgten alle gespannt den Ablauf der Präsentationen und erlebten einen fachlich souveränen Redebeitrag von Ahmed, in dem er die Ergebnisse seiner Forschungsgruppe rund um den Einsatz von Phagen präsentierte.
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