Erinnerungskultur hautnah – Ein bewegender Vortrag des jüdischen Bildungswerks PINOT
Wie kann Erinnerungskultur heute gelebt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortrags des jüdischen Bildungswerks PINOT aus Hanau, den der Geschichts-Leistungskurs von Herrn Pätzold besucht hat. Besonders eindrücklich war dabei die Begegnung mit dem Referenten Niko Deeg, der die Inhalte nicht nur vermittelte, sondern sie durch seine persönliche und authentische Art für alle spürbar machte.
Niko, ein orthodox gläubiger Jude, gab zunächst Einblicke in seine eigene Lebensrealität. Er erzählte von seiner Familie, in der verschiedene Religionen vertreten sind, und betonte dabei eine zentrale Botschaft: Nicht Religion oder Herkunft bestimmen den Wert eines Menschen, sondern seine Menschlichkeit. Diese Haltung bildet auch eine Grundlage für die Arbeit des Bildungswerks PINOT.
Im weiteren Verlauf widmete sich der Vortrag der Frage, wie im Judentum Erinnerung verstanden und gelebt wird. Dabei wurde deutlich, dass Erinnerung hier eine besonders zentrale Rolle spielt. Aufgrund der langen Geschichte von Vertreibung und Verfolgung waren jüdische Gemeinschaften immer wieder gezwungen, sich neuen Lebensumständen anzupassen. Die Thora, so erklärte Niko, sei dabei nicht einfach nur ein Buch, sondern etwas Lebendiges. Sie begleite die Menschen durch alle Zeiten hinweg, sodass beschädigte Exemplare nicht einmal entsorgt werden, sondern traditionell beerdigt werden. Auch die jüdische Gedenkkultur wurde anschaulich erklärt. Zahlreiche religiöse Symbole und Kleidungsstücke erinnern bewusst an Traditionen und Geschichte. Darüber hinaus spielen Feiertage eine wichtige Rolle: Sie greifen unterschiedliche historische Ereignisse auf und verbinden sie mit Emotionen wie Trauer, Hoffnung oder Freude. Dadurch wird Erinnerung nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt und immer wieder neu reflektiert.
Ein besonders bewegender Teil des Vortrags war die Auseinandersetzung mit Zeitzeugen des Holocausts, mit denen das Bildungswerk PINOT zusammenarbeitet. Niko machte deutlich, dass es für viele Überlebende lange Zeit schwierig war, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Scham, Traumata und auch die Angst vor erneuter Ausgrenzung führten oft dazu, dass sie schwiegen. Umso wichtiger sei es heute, diese Stimmen hörbar zu machen. Genau hier setzt die Arbeit des Bildungswerks PINOT an: Es schafft Räume für Austausch und Erinnerung und ermutigt dazu, sich aktiv mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – sei es in der Familie, in der Schule oder in Gedenkstätten. Ziel ist es, eine aufgeklärte Gesellschaft zu fördern, die aus der Geschichte lernt und verhindert, dass sich Fehler der Vergangenheit wiederholen.
Besonders nachhaltig bleibt jedoch die Art, wie Niko diesen Vortrag gestaltet hat. Seine persönliche Nähe zum Thema, seine Offenheit und seine authentische Vermittlung machten die Inhalte für die Rehbeinerinnen und Rehbeiner nicht nur verständlich, sondern auch emotional greifbar.
Elena Fuchs, Q4 LK Geschichte, Pätzold