Was haben Fingernagelaufsätze, Spider Man und Rebecca Horns künstlerische Arbeiten aus den Siebzigern gemeinsam? Oder Hair Extensions, Mode von Vivienne Westwood und Gehirn-Computer-Interfaces? Erstmal nichts? Oder doch?
Dank der großzügigen Förderung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Programm „Kunstvoll“ konnte der Leistungskurs Kunst in seinem letzten Schulhalbjahr unter der Leitung von Frau Biehler in Kooperation mit der Galerie DER MIXER in Frankfurt und einem Zusammenschluss von internationalen Performancekünstler*innen, der International Performance Association (IPA), ein außerordentliches Projekt realisieren:
„BODY EXTENSIONS__Wenn der Körper in den Raum wächst“.
Vielgestaltige Phänomene in Kunst und Kultur und im Alltag zeigen, dass der Wunsch nach Veränderung, Verlängerung und „Perfektionierung“ des Körpers zu einer verbreiteten menschlichen Obsession zählt. Dazu gehören das erwähnte Verlängern und Erweitern von Körperteilen, das Transformieren der gesamten menschlichen Silhouette in der Mode, Muskelzuwächse, Implantate und Mensch-Maschine-Schnittstellen.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchten diese Idee von der Erweiterung des Menschen in den Raum ganz praktisch mit den Mitteln der Aktionskunst und der Fotografie.
Doch künstlerische Prozesse haben ihre Eigendynamik und brauchen Zeit. Ein Workshopwochenende in einer Jugendherberge im Odenwald mit dem Performancekünstler Jürgen Fritz bot die Möglichkeit sich in Bewegung zu bringen, sich etwas zu lösen vom Druck in der Schule und intensiv an eigenen Projekten zu arbeiten.
Die Schülerinnen haben sich dabei Fragen gestellt wie: Welches utopische Werkzeug habe ich mir schon immer gewünscht? Wie kann ich mich mit dem Raum verbinden? Welches Material nutze ich dafür? Was bewegt mich und führt zu welcher Bewegung? Wie gestalte ich den Rhythmus der Aktion?
In Gruppenaktionen, Diskussionen, nächtlichen Spring- und Hüpfübungen begleitet von vielen Notizen in persönlichen Skizzenbüchern formten sich die Ideen. Jeder und jede einzelne war als Person angefragt, keiner und keine konnte sich verstecken. Herr Fritz hat die Schülerinnen und Schüler ermutigt die eigenen Grenzen kennenzulernen und sie an der ein’ oder anderen Stelle zu überschreiten. Die SchülerInnen haben Performance als zeitgenössische künstlerische Ausdrucksform über die eigene Praxis sehr intensiv kennengelernt.
Nach vielen Versuchen, Fehlschlägen, Tränen und Kichern, nach Fotosessions und Diskussion von Ablaufplänen, nach vielen Proben in der Schule dann endlich die Generalprobe in Frankfurt!
Tags drauf Ende Januar war es dann so weit: An einem Samstagabend performten Lea-Marie Biehler (als Gast), Emil Brandt, Lilly Emmerling, Elias Harmanus, Eda Kalmik, Dan Thi Pham, Giuliana Pfaff, Kristina Spengler in einer öffentlichen Galerie gegenüber dem Museum für Moderne Kunst
Eine alte Matratze begann zu laufen, ein unendlich langes schwarzes Band zog eine schmale Taille so stark zusammen, dass der Magen der Eingeschnürten Geräusche von sich gab, Leitern griffen nach dem Publikum, Stuhlbeine wurden zu Stacheln. Es stellten sich Bilder ein, die von Befreiung, Erschöpfung oder der Sehnsucht, endlich leicht zu sein, erzählen. Man sah den Versuch, fliegende Erinnerungsfetzen festzuhalten, den Kampf mit Normmaßen oder eine Mensch-Stuhl Maschine, die sich ihren eigenen Raum nahm:
Eltern, Gäste und anwesende Kolleg*innen waren begeistert aber auch irritiert von den bunten, grotesken, absurden oder poetischen Situationen.
Body Extensions war eine wirkliche künstlerische Erfahrung, die alle Teilnehmenden gefordert und gefördert hat. Ein großes Lob für den Mut, den Eigensinn und die Durchhaltekraft der Akteur*innen – Eigenschaften, die sie nicht nur beim Kunstschaffen, sondern für das Abenteuer „Leben nach der Schule“ gut brauchen können!
Ausstellungsstücke, Relikte und Plakate zu den Performances waren dann noch eine Weile in der Galerie mitten in der Innenstadt Frankfurts gegenüber dem Museum für Moderne Kunst zu sehen und ließen Vorbeiflanierende rätseln, was da wohl an diesem Abend Wildes geschehen ist.
(Christine Biehler)
Fotocredits: Christine Biehler, Jürgen Fritz









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